Markus 7,19: Darf ein Christ alles essen? Wie ist das mit der Blutwurst?

Ich denke, dass ein Christ alles essen darf und dass Markus seinen Zusatz „damit erklärte er alle Speisen für rein“ einfügt, um genau das zu sagen. Zwei weitere Stellen unterstreichen diesen Gedanken: In 1Timotheus 4,3 wird davon ausgegangen, dass es sich bei Speiseverboten um dämonische Lehren handelt und die folgenden zwei Verse machen sehr deutlich, dass ein Christ alles („jedes Geschöpf“) essen darf. Auch 1Korinther 10,24 fordert Paulus die Korinther dazu auf, alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird zu essen, „ohne es um des Gewissens willen zu untersuchen“. Die Begründung zu dieser sehr weit gehenden Erlaubnis lautet: „Denn die Erde ist des Herrn und ihre Fülle“ (Zitat aus Psalm 24,1). Ich danke Gott (1 Korinther 10,30; 1Timotheus 4,4) und darf alles essen, was Gott geschaffen hat. Interessanterweise bezieht sich diese Aussage auf jenes Götzenopferfleisch, das vom Apostelkonzil (wie auch das Essen vom Erstickten und vom Blut) doch den Heidenchristen zu essen nicht erlaubt worden war (in Apostelgeschichte 15,29 steht dasselbe Wort wie in 1Korinther!). Wieso kann Paulus den Korinthern zu essen erlauben, was im Apostelkonzil verboten worden ist? Die Erklärung dafür findet sich in der Begründung des Apostelkonzils: „Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn predigen, da er an jedem Sabbat in den Synagogen gelesen wird.“ (Apostelgeschichte 15,21). Die Heidenchristen sollen aus Liebe zu den Juden und um ihnen kein Anstoß (= Hindernis, dass sie sich nicht bekehren) zu werden (vgl. 1Korinther 10,32) auf bestimmte Essgewohnheiten verzichten. Diese Regelung war solange sinnvoll, wie Judentum und Christentum Seite an Seite existierten und die Abgrenzung zwischen beiden Strömungen noch nicht völlig vollzogen war. Im Verlauf der Missionsgeschichte – und in Korinth war dieser Punkt bereits erreicht! – wurde aus dem allgemeinen Verbot ein spezielles. Natürlich wird ein Judenmissionar weiterhin die jüdischen Speisevorschriften einhalten, aber er wird es nicht mehr von dem verlangen, der keinen Kontakt zu Juden hat. Auf die Frage, „Darf ein Christ alles essen?“ muss die Antwort demnach lauten: Prinzipiell ja, aber er wird sich immer da einschränken, wo es um seiner missionarischen Bemühungen willen nötig ist. Eine letzte Einschränkung: Die alttestamentlichen Speisegebote des Volkes Israel waren ein Schutz für die Identität dieses Volkes. Sie sollten eine Vermischung zwischen dem Volk Gottes und den Götzendienern erschweren und waren eine Gegenstandslektion zum Thema „rein/unrein“. In 1Mose 9,4 heißt es an Noah und seine Nachkommen gerichtet, dass sie kein „Fleisch mit seiner Seele, seinem Blut“ essen sollen. Mir scheint, dass Gott dem Menschen hier ganz generell verbietet, Tiere lebendig zu essen. Jedes Tier hat das Recht darauf, dass man es tötet, bevor es gegessen wird, weil Gott Grausamkeit hasst (Sprüche 12,10). Anmerkung: Das ganze Thema Blut ist in der Bibel komplex und vielschichtig: beispielsweise Blut als Symbol für Schuldsühnung (Opfergesetze des AT), Leben (Kelch mit Wein = Jesu „Blut“ als Zeichen der Erlösung, die der Neue Bund bringt), Blut als Zeichen für Schuld und Tod (1Mose 4,10; 2Samuel 23,17), Warnung/Omen (2Mose 4,9; Offenbrung 16,4), natürliches Menschsein (1Korinther 15,50). Umso wichtiger scheint es, zu differenzieren und nicht in jede Stelle, die von Blut spricht, auf dieselbe Art und Weise zu deuten.

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