Markus 4,31: Ist es nicht ein Fehler, das Senfkorn als kleinsten Samen zu bezeichnen? Es gibt doch viel kleinere!

Stimmt, es gibt viel kleinere Samen (z.B. Orchideensamen!)! Aber spielt das wirklich eine Rolle? Jesus redet hier verallgemeinernd und überzeichnend wie jeder es tut, der einen Vergleich bringt. „Jürgen und Bärbel wohnen im hässlichsten Haus in der Straße!“ Das haben wir oft behauptet, aber stimmt das wirklich? Haben wir wirklich alle Häuser in der Zeppelinstraße begutachtet, eine Umfrage erstellt, usw.? Natürlich nicht. Das, was wir eigentlich damit ausdrücken wollen, und was auch jeder instinktiv so versteht, ist: „Du erkennst das Haus, in dem wir wohnen, daran, dass es besonders renovierungsbedürftig ist und sich äußerlich von den Häusern drumrum deutlich abhebt.“ Haben wir deshalb gelogen? Nein, natürlich nicht! Sprache funktioniert nicht wie Mathematik! Worum geht es Jesus? Er nimmt Bezug auf den Erfahrungshorizont seiner Zuhörer. Für sie ist ein Senfkorn (z.B. im Vergleich zu einem Olivenkern, Weizenkorn) ein ganz kleiner Same, womöglich der kleinste Same, den sie noch aussähen würden und aus einem so kleinen Ding wächst ein mächtiger bis an die zwei Meter hoher Strauch. Es geht um das Vorher und Nachher: Zunächst nur ein kleines, unscheinbares Ding, später dann etwas Großes, das wundersam aus dem kleinen entstanden ist. Jesus gibt keine Nachhilfestunde in Biologie (Thema: Was ist der kleinste Same auf der Erde?), sondern eine Lektion in Sachen „Reich Gottes“.

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