Johannes 13,4-17: Was will Jesus mit dem Waschen der Füße zum Ausdruck bringen? Geht es ihm darum, ein Vorbild fürs Dienen zu sein?

Natürlich setzt Jesus auch ein Zeichen fürs Dienen, wenn er die Sklavenarbeit übernimmt, die keiner seiner Jünger tun wollte. Spätestens aber in Johannes 13,8 wird klar, dass Jesu Intention über die reine Vorbildfunktion hinaus geht, wenn er zu Petrus sagt: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir.“, und: „Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle“. Das Füßewaschen bekommt hier eine symbolische Bedeutung. Einerseits hat der keinen „Teil“ mit Jesus, d.h. keine Gemeinschaft, der sich nicht von ihm die Füße waschen lässt, andererseits hat es ein Jünger, als einer der „gebadet ist“ , nicht nötig, dass mehr als die Füße gewaschen werden. Was meint Jesus damit? Es gibt eine Reinigung, die ein Jünger nur einmal an sich vollzieht, das Baden, und es gibt eine Reinigung, die er immer wieder an sich vollziehen lassen muss, das Füßewaschen. Wenn Reinigung ein Bild für das Entfernen von Sünden, d.h. für Vergebung, sein kann – und das liegt nahe – dann will Jesus hier folgendes sagen: Es gibt eine grundsätzliche Vergebung, das Baden. Das ist die Vergebung, die ein Mensch erfährt, wenn er zu Gott umkehrt, Buße tut und Erlösung von der Schuld seiner Sünde erfährt. Diese Art der Vergebung kann man nur einmal erfahren: „Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen“. Aber es gibt den Alltag des Glaubens, bei dem wir uns die Füße schmutzig machen, d.h. es gibt die alltäglichen Sünden, die wir, obwohl wir „ganz rein“ sind (V. 10) doch immer wieder zu Jesus bringen müssen. Wenn Jesus dem Petrus die Füße wäscht, dann illustriert er die Bitte im Vater-Unser: „Und vergib uns unsere Schuld“. Wir kommen im Gebet zu Jesus, bekennen unsere Sünde und er vergibt sie gern (vgl. Johannes 1,8.9). Im Blick auf Sünde gibt es also zwei Arten von Vergebung: Das Baden und das Füßewaschen, d.h. die allgemeine Vergebung zur umfassenden Reinheit bei der Bekehrung und die tägliche Vergebung der „kleinen“ Sünden zur Aufrechterhaltung einer ungetrübten Gemeinschaft mit Jesus. Wenn Jesus uns also auffordert, einander die Füße zu waschen (V. 14), fordert er uns nicht nur dazu auf, einander in einer dienenden Haltung zu begegnen, sondern es geht ihm vielmehr darum, dass wir einander täglich die Sünden vergeben, die sich trennend zwischen uns stellen. DAS heißt es, einander die Füße zu waschen und das zu tun, sind wir einander schuldig (V. 14).

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