Galater 2,17: „Wenn aber auch wir selbst, die wir in Christus gerechtfertigt zu werden suchen, als Sünder erfunden wurden - ist dann also Christus ein Diener der Sünde?“ Was bedeutet der Vers?

Paulus beschreibt in den Versen davor, dass Petrus durch die Ankunft von Judenchristen aus Jerusalem zur Heuchelei verführt wurde und andere damit ansteckte. Vorher hatte er mit allen Christen, auch den Heidenchristen, gegessen (und dabei die jüdischen Speisegebote außer Acht gelassen). Mit den kritischen Blicken der gesetzestreuen Judenchristen im Nacken zieht er sich zurück, sondert sich ab, verlässt den „geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums“ (Galater 2,14) und kassiert prompt von Paulus eine öffentliche Zurechtweisung. In diesem Zusammenhang geht Paulus auf die Frage ein, wie ein Mensch gerechtfertigt wird. Und er schreibt, dass sowohl jene, die von Natur Juden sind wie auch die „Sünder aus den Nationen“ allein durch den Glauben Rechtfertigung erfahren (Galater 2,15.16). Vers 17 geht nun der Frage nach, ob Christus ein „Diener der Sünde“ ist, wenn die Judenchristen („auch wir selbst“) „als Sünder erfunden“ werden, d.h. sich durch ihr Verhalten auf eine Stufe mit den Heiden stellen. Oder mit anderen Worten: Wenn ein Judenchrist mit Hinweis auf Jesus die Speisegebote über Bord wirft, macht er dann Jesus zum Handlanger seiner Sünde? Antwort: „Das ist ausgeschlossen!“ Warum? Weil wir durch das Gesetz dem Gesetz gestorben sind (V. 19). Das Ziel des Gesetzes besteht darin, mir meine Verlorenheit vor Augen zu führen, mir Jesus als Retter lieb zu machen (Galater 3,24) und dafür zu sorgen, dass ich im Glauben mit Christus sterbe. Passiert das, verlasse ich den Zustandsbereich des mosaischen Gesetzes. Mehr kann und will es nicht tun. Durch den Glauben trete ich ein in den Neuen Bund, in dem zum Teil neue Regeln gelten. Ein Judenchrist ist frei, mit den Heiden zu essen, weil die Speisegebote für ihn nicht mehr gelten (Markus 7,19). Deshalb ist Jesus kein „Diener der Sünde“, weil es gar keine Sünde ist, mit Heidenchristen zu essen. Und wenn ich nach meiner Bekehrung glaube, doch wieder das ganze mosaische Gesetz halten zu müssen (inklusive Beschneidung, Feiertage, Speisevorschriften…), dann wird nicht Jesus zum „Diener der Sünde“, sondern ich stelle „mich selbst als Übertreter hin“ (Galater 2,18); als jemand, der versucht, Gebote zu halten, die ich letztlich nicht halten kann. Wo christliche Freiheit gelebt wird, wird Jesus niemals zum „Diener der Sünde“, sondern immer zum Garanten echten Lebens.

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