1.Korinther 15,29: Was ist mit der Taufe für die Toten gemeint?

Obwohl der Wortsinn eine stellvertretende Taufe für Tote nahe legt, bleiben Probleme: Es gibt historisch oder biblisch keinen Präzedenzfall für eine solche Praxis. In keiner christlichen Kirche gibt es eine solche Praxis. Auch fehlen Parallelen zu den heidnischen Praktiken und wir erhalten keine Antworten auf die Fragen, wer sich für wen hat taufen lassen und mit welcher Erwartung und warum. Also: Wie kann Paulus eine solche Praxis erwähnen, ohne sie zu korrigieren, wenn sie völlig entgegengesetzt zu seinem Verständnis der Errettung und der Bedeutung der christlichen Taufe steht? Eine stellvertretende Taufe für Tote ist Sakramentalismus in seiner schlimmsten Form. Wie kann ein Ritus, der für einen anderen vollzogen wird, rettende Wirkung haben? Eine Erklärung sieht so aus: Mit Markus 10,38 und Lukas 12,50 kann man „taufen“ auch bildhaft verstehen. Dort ist von der Leidenstaufe die Rede. Im 1Korinther bedeutet „taufen“ in 1Korinther 1, 13-17 die Wassertaufe, in 1Korinther 10,2 ist Taufe ein Ausdruck der Beziehung und in 1Korinther 12,13 sind wir zu „einem Leib getauft“. Der Begriff wird also in einem engeren Sinn für Taufe und im weiteren Sinn für die Herstellung einer besonderen Beziehung verwendet. Die Präposition „für“ kann bedeuteten: a) zum Vorteil von, für jemanden; b) betreffend, mit Bezug auf c) an Stelle von, stellvertretend. Wenn die Toten, um die es geht, wirklich tot sind, dann könnten es Christen sein, die für ihren Glauben gestorben sind. Ein solcher Gedanke liegt nahe, weil Paulus im Folgenden auf die Gefahren hinweist, die seinen Dienst ausmachen. „Täglich sterbe ich“ (1Korinther 15,31)! Mit MacDonald denke ich, dass Paulus hier auf die Praxis von Gläubigen anspielt, die sich mit ihrer Taufe in den Leib Christi hinein taufen lassen, um frei gewordene Plätze in den Schlachtreihen Gottes einzunehmen, weil Märtyrer für ihren Glauben starben. Paulus fragt dann, warum Menschen sich auf ein solches Himmelfahrtskommando wie „Christ-Werden“ einlassen, wenn Tote nicht auferweckt werden. Es geht dann nicht darum, dass Menschen sich für andere Menschen taufen lassen, sondern durch ihre eigene Taufe an die Stelle von Menschen treten, die wegen ihres Glaubens gestorben sind.

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