1Johannes 5,16 ff:Wie füllst du den Begriff „Sünde zum Tod“?

Johannes unterscheidet eine „Sünde nicht zum Tod“ von einer „Sünde zum Tod“ weil er hier über die Grenzen der Fürbitte redet. Die Sünde, die Johannes meint, kann man sehen, sie ist also beobachtbar und es handelt sich nicht um verborgene Handlungen (oder Motive). Eine Unterscheidung in lässliche Sünden und Todsünden sucht man in der Bibel vergeblich. Die „sieben Todsünden“, sind eine Liste, die der erste „Papst“ genannte Bischof von Rom, Gregor der Große, am Ende des 6. Jahrhunderts aus der Heiligen Schrift ableitete (vor allem unter Verwendung von Hiob und Hesekiel).

Man könnte bei der Sünde zum Tod an Sünden denken, bei denen der Betroffene körperlich stirbt. Und in der Tat kennt das NT den körperlichen Tod als eine Folge von Sünde (Apostelgeschichte 5,1ff; 1Korinther 11,30). Allerdings ist das „Leben“, das wir dem sündigen Bruder geben wollen, ganz klar geistliches Leben; und so ist es naheliegend den Tod im selben Vers auch als geistlichen Tod zu begreifen.

Ein anderer Ansatz ist dieser: Auch im AT gab es keine Sühnung für die „Sünde mit erhobener Hand“. Auf der Basis von 1Johannes wäre die Sünde zum Tod dann alles fortgesetzte, gewohnheitsmäßige Fehlverhalten, das nicht mit einem Wandel im Licht vereinbar ist. Johannes hat seine Leser davor immer wieder gewarnt: Lasst die Sünde, gehorcht dem Liebesgebot, widersteht der Weltlichkeit, haltet an den Grundaussagen des Glaubens fest! Wer sich diesen Geboten absichtlich entzieht, endet in Finsternis und geistlichem Tod. Wer absichtlich und bewusst den Weg der Gesetzlosigkeit wählt, begeht eine Sünde, die nicht vergeben werden kann (vgl. Markus 3,28.29; Matthäus 12,31.32; Lukas 12,10; Hebräer 6,4-6; 10,26-31). Diese Art von „Abfall vom Glauben“ offenbart die Gegenwart des Geistes des Antichristen in diesen Personen (1Johannes 2,18.19; 4,2-5). Die betreffenden Personen gehörten zwar äußerlich zur Gemeinde, „aber sie waren nicht von uns“ und „sind aus der Welt“. Es sind Menschen, die nicht wirklich aus Gott geboren sind, deren Leben von Sünde bestimmt wird und die deshalb nicht von Jesus bewahrt werden (1Johannes 5,18).

Aber warum soll ich für solche Menschen nicht beten? Muss man nicht gerade für sie beten? Die Antwort auf diese Frage ist hart: Bete für die Geschwister, die nicht so sündigen, dass dabei ihr geistliches Leben auf der Strecke bleibt. Für sie gibt es Hoffnung. Aber wenn ein Mensch sich bewusst als einer, der das Evangelium kennt, auf die Seite des Teufels stellt (1Johannes 3,8), für diese Welt lebt, weil er sie liebt (1Johannes 2,15-17), und leugnet, dass Jesus der Christus ist (nicht unbedingt nur mit Worten! 1Johannes 2,22), dann kann ihm nicht mehr geholfen werden. Gott nimmt die Entscheidung eines solchen Menschen ernst. Das klingt brutal, aber es ist letztlich ein Ausdruck unserer Würde. Wir entscheiden über Himmel und Hölle! Im geistlichen Leben gibt es einen „point of no return“. Wir sehen das im Leben des Pharao, der Pharisäer oder in Stellen wie Hebräer 6,4.6. Gott lässt das „nein“ zu.

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