Apostelgeschichte 12,1-13,12

Fette Beute (NT-Kurs)

Woche 9- Tag 4

Fragen

Leicht: Warum und wie starb der König Herodes (Agrippa I.)? Antwort

Mittel: Verfolge den ersten Teil der ersten Missionsreise auf einer Karte

Schwer: Apg 12,11 beschreibt das Aha-Erlebnis des Petrus. Aber bitte schön, was ist das Besondere daran? Wurde er nicht schon vorher von Engeln gerettet (Apg 5,19)? Was versteht Petrus jetzt besser als vorher (vgl. die Parallele in Apg 10,34)? Antwort


Text: Apostelgeschichte 12,1-13,12

Kapitel 12
1 Um diese Zeit ging König Herodes1) gegen Mitglieder der Gemeinde vor und ließ sie misshandeln. 2 Jakobus, den Bruder von Johannes, ließ er enthaupten. 3 Als er merkte, dass das den Juden gefiel, ließ er auch Petrus festnehmen. Das geschah während des Festes der ungesäuerten Brote.2) 4 Er ließ ihn ins Gefängnis schaffen und von vier Gruppen zu je vier Soldaten bewachen. Nach dem Passafest wollte er ihn vor dem Volk aburteilen. 5 Während Petrus streng bewacht im Gefängnis saß, betete die Gemeinde inständig für ihn zu Gott. 6 In der Nacht vor der von Herodes geplanten Verurteilung schlief Petrus zwischen zwei Soldaten. Er war an jeden mit einer Kette gefesselt, während zwei andere vor der Tür seiner Zelle Wache hielten. 7 Plötzlich stand ein Engel des Herrn vor ihm und ein helles Licht erfüllte die Zelle. Er stieß Petrus in die Seite, um ihn zu wecken. „Steh schnell auf!“, sagte er. Sofort fielen ihm die Ketten von den Handgelenken ab. 8 „Binde den Gürtel um und zieh deine Sandalen an!“, befahl der Engel. Petrus tat es. „Wirf den Mantel über und komm!“ 9 Petrus folgte dem Engel hinaus. Doch er wusste nicht, ob es Wirklichkeit war, was er mit dem Engel erlebte. Er meinte zu träumen. 10 Sie gingen an der ersten Wache vorbei, dann an der zweiten und kamen an das eiserne Tor, das in die Stadt führte. Das öffnete sich ihnen von selbst. Sie traten hinaus und gingen eine Gasse hinunter. Da verschwand der Engel neben ihm plötzlich. 11 Jetzt kam Petrus zu sich. „Nun weiß ich wirklich, dass der Herr seinen Engel geschickt hat“, sagte er. „Er hat mich vor Herodes gerettet und vor dem, was die Juden sich erhofften.“ 12 Als ihm das klar geworden war, ging er zum Haus der Maria, der Mutter von Johannes Markus3). Dort waren viele zusammengekommen, um zu beten. 13 Als Petrus an die Tür im Hofeingang klopfte, kam eine Dienerin und wollte nachsehen, wer da wäre. Sie hieß Rhode. 14 Als sie die Stimme des Petrus erkannte, lief sie gleich ins Haus und rief: „Es ist Petrus! Petrus steht vor dem Tor!“ Vor lauter Freude hatte sie vergessen, das Tor zu öffnen. 15 „Du bist wohl nicht ganz bei Verstand“, sagten sie zu ihr. Doch sie behauptete steif und fest, dass es Petrus sei. Da meinten sie: „Dann ist es sein Engel.“ 16 Aber Petrus klopfte unaufhörlich weiter, bis sie schließlich aufmachten. Als sie ihn sahen, gerieten sie vor Staunen außer sich. 17 Doch er brachte sie mit einer Handbewegung zum Schweigen und erzählte ihnen dann, wie der Herr ihn aus dem Gefängnis herausgeführt hatte. „Berichtet das auch Jakobus4) und den Brüdern!“, bat er sie. Dann ging er hinaus und verließ die Stadt. 18 Als es Tag wurde, gerieten die Soldaten in große Bestürzung. Keiner wusste, was mit Petrus geschehen war. 19 Und als Herodes ihn holen lassen wollte, war er nirgends zu finden. Da verhörte er die Wachen und befahl, sie abzuführen. Anschließend begab er sich von Judäa wieder in seine Residenzstadt Cäsarea. 20 Damals lag Herodes im Streit mit den Bewohnern von Tyrus und Sidon5). Nun schickten diese eine gemeinsame Delegation zu ihm. Der Abordnung gelang es, den königlichen Palastverwalter Blastus als Fürsprecher zu gewinnen. So baten sie um Frieden, weil ihr Gebiet von den Lebensmittellieferungen des königlichen Landes abhängig war. 21 An dem Tag, an dem die Beilegung des Streits verkündet werden sollte, erschien Herodes in königlichem Prachtgewand, nahm auf der Tribüne des Theaters Platz und hielt eine feierliche Ansprache. 22 Das Volk von Cäsarea schrie begeistert: „So spricht ein Gott und nicht ein Mensch!“ 23 In diesem Augenblick schlug ihn ein Engel des Herrn, weil er sich das gefallen ließ und nicht Gott die Ehre gab. Und von Würmern zerfressen verendete er. 24 Immer mehr Menschen hörten das Wort Gottes und kamen zum Glauben. 25 Nachdem Barnabas und Saulus ihre Aufgabe in Jerusalem erfüllt hatten, kehrten sie in Begleitung von Johannes Markus nach Antiochia zurück.

Kapitel 13
1 In der Gemeinde von Antiochia gab es damals folgende Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger6), Luzius von Zyrene und Manaën, der zusammen mit dem Vierfürsten Herodes7) aufgewachsen war, und Saulus. 2 Als sie einmal dem Herrn dienten und dabei fasteten, sprach der Heilige Geist: „Stellt mir doch Barnabas und Saulus für die Aufgabe frei, zu der ich sie berufen habe.“ 3 Nach weiterem Fasten und Beten legten sie ihnen schließlich die Hände auf und ließen sie ziehen. 4 So vom Heiligen Geist ausgesandt, gingen die beiden nach Seleuzia8) und nahmen dort ein Segelschiff nach Zypern. 5 In Salamis9) angekommen, verkündigten sie die Botschaft Gottes in den jüdischen Synagogen der Stadt. Als Helfer hatten sie Johannes-Markus dabei. 6 Sie durchzogen die ganze Insel bis nach Paphos10). Dort trafen sie auf einen Juden, der sich Barjesus nannte. Das war ein Magier und falscher Prophet, 7 der mit dem Prokonsul11) Sergius Paulus befreundet war, einem klugen und einsichtigen Mann. Dieser hatte Barnabas und Saulus zu sich gerufen, weil er die Botschaft von Gott hören wollte. 8 Doch Elymas, der Zauberer, – so heißt nämlich sein Name übersetzt – trat ihnen entgegen und versuchte mit allen Mitteln, den Prokonsul vom Glauben abzuhalten. 9 Aber Saulus, der auch Paulus genannt wird, blickte ihn scharf an. Vom Heiligen Geist erfüllt 10 sagte er: „Du elender und gerissener Betrüger, du Sohn des Teufels und Feind aller Gerechtigkeit! Wann hörst du endlich auf, die geraden Wege des Herrn krumm zu machen?! 11 Doch jetzt wirst du die Hand des Herrn zu spüren bekommen. Du wirst blind sein. Eine Zeit lang wirst du die Sonne nicht sehen.“ Im selben Augenblick fand sich der Magier von tiefster Dunkelheit umgeben. Er tappte umher und suchte jemand, der ihn an der Hand führte. 12 Als der Prokonsul sah, was geschehen war, kam er zum Glauben, höchst erstaunt über die Lehre des Herrn.

Mit freundlicher Erlaubnis © 2019 Karl-Heinz Vanheiden (Textstand: April 2020)


Prinzip

Anwendung



1)
Herodes Agrippa I., ein Enkel von Herodes dem Großen, dem Kindesmörder von Bethlehem, und ein Neffe von Herodes Antipas, der Johannes den Täufer hinrichten ließ.
2)
Fest der ungesäuerten Brote. Das war die Festwoche, die sich an das Passa (2. Mose 12-13) anschloss (3. Mose 23,5-8). Manchmal wurden beide Feste zusammen wie in Vers 4 „Passa“ genannt.
3)
Johannes Markus. Der spätere Verfasser des Markus-Evangeliums.
4)
Jakobus. Gemeint ist hier der Halbbruder von Jesus.
5)
Tyrus und Sidon waren die wichtigsten Hafenstädte Phöniziens (heute: Libanon).
6)
Niger. Lateinisch: der Schwarze.
7)
Herodes Antipas, der Sohn von Herodes dem Großen und Onkel von Agrippa I. Er herrschte von 4 v.Chr. bis 39 n.Chr. über Galiläa und Peräa, also nur über einen Teil des Landes. Deswegen war er nur „Tetrarch“, das heißt eigentlich „Viertelfürst“.
8)
Seleuzia. Die Hafenstadt war von Antiochia etwa 30 km entfernt.
9)
Salamis. Damalige Hauptstadt von Zypern, an der Ostküste gelegen, etwa 150 km von Seleuzia entfernt.
10)
Die Hafenstadt Paphos liegt an der Südwestspitze von Zypern und war Sitz der römischen Verwaltung.
11)
Ein Prokonsul (nur hier und 13,8.12 und 19,38) wurde vom römischen Senat bestimmt und verwaltete vorwiegend friedliche Provinzen. Im Gegensatz dazu wurde ein Prokurator (sonst immer mit Statthalter übersetzt) vom Kaiser in unruhigen Provinzen eingesetzt, z.B. in Judäa.